25 August 2006

Gütermann Vitrine


Kennt das noch jemand von euch? Die alten Kästen voller Nähseiden?
Als ich noch Kind war, damals im Osten, in den siebzigern, habe ich hin und wieder ein Zwanzigpfennigstück bekommen. Und soviel hat damals eine Nähseide noch gekostet (das waren noch Zeiten!). Da meine Oma damals viel genäht hat, habe ich wohl eine Vorliebe für all den Krimskram gekriegt. Also was mach ich mit den 20 Pfennig? Ich geh zu unserer alten Frau Schumann, die in der Stadt einen Handarbeitsladen hat. Aber nicht irgendeinen! In dem laden war es duster und roch eigenartig muffig nach alten Stoffen. Manchmal kriege ich sogar heute noch den Geruch in die Nase. Wenn sich die Augen allmählich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, kam man sich vor wie in ein anderes Zeitalter versetzt. Die ganze Einrichtung stammte mit Sicherheit noch von vor dem Krieg. Aber dem Ersten!
Dann hörte man ein lautes Schlurfen und aus der dunkelsten Ecke kam eine kleine alte Frau, die kaum über die Ladentheke schauen konnte. Mir war damals immer ein Rätsel, wie die Frau bis zu den letzten Regalen kam, denn die gingen bis unter die Decke. Später fand ich es raus, indem ich sie nach etwas fragte, was ganz dort oben versteckt war. Mit einem Monstrum von Leiter krabbelte sie bis ganz nach oben und ich könnte ihr zwangsläufig unter die Röcke schauen. Sie hatte noch Strumpfhalter an. Also, ihr seht, da war wirklich alles antiquarisch.
So, jetzt bin ich aber ganz schön abgeschweift. Zurück zu den Nähseiden. Mit meinen 20 Pfennig in der Hand war ich fest entschlossen, diese gegen ein so herrlich buntes Röllchen zu tauschen. Nur konnte ich mich ewig nicht entscheiden.
Das also war ein Erlebnis meiner Kindheit. Es ist doch erstaunlich, wie Bilder und Gerüche sich so präzise in ein Gehirn einpflanzen können.
Alls die Nähseiden haben meine zig Umzüge überstanden.
Dieses Jahr auf dem Flohmarkt steht doch genau so ein Kasten. Mein Herz wollte vor lauter Freude einfach zerspringen. Aber der Preis war definitiv zu hoch. Dann fing es auch noch an zu regnen und mein Mann und ich gingen leicht gefrustet nach Hause. Aber der Kasten ging mir nicht aus dem Kopf. Immer wieder überlegte ich , soll ich oder soll ich nicht. Als ziemlich spät am Nachmittag dann doch die Sonne noch raus kam, hielt ich es nicht länger aus. Mit dem Vorsatz, den Preis in eine mir schwindelfreie Höhe runter zu handeln, gingen wir doch noch mal los. Das Teil war wirklich tadellos, super gepflegt und noch fast voller Nähseiden.
Wahrscheinlich 60er Jahre.
Als die Fau dann merkte, dass dieser Kasten mehr für mich ist als nur ein alter antiker Aufbewahrungsort, wurde sie immer zugänglicher. Irgendwann stubste sie ihren Mann an und meinte: nun gibs ihr doch schon, du siehst doch, wie ihre Augen glänzen.
Tja und da steht er nun. Sorgfältig nach Farben sortiert. Immer wenn ich also ein solches Kästchen auf mache, ist das wie ein kleines Fenster in die Kindheit und erfüllt mich jedesmal mit Freude und Zufriedenheit. Und in einem Kästchen liegt doch wahrlich noch ein Zwanzigpfennigstück.



Meine Stöffchen nehmen den meisten Platz ein. Ein Schrank aus Omas Nachlass ist brechend voll und mein selbstgebautes Regal bricht auch bald aus allen Nähten. Aber ich entdecke immer wieder neue Möglichkeiten mit ihnen zu spielen. Also find ich ich damit ab und höre nicht auf andere, die der Meinung sind, es grenze schon langsam an Messitum.
Meine Kartensammlung hängen eigentlich viel zu versteckt hinter der Tür. Da ich ein Mensch bin, der gern bei offenen Türen sitzt, weil ich die Freiheit brauche und mich nicht ver-/einschließen will. Also um die Karten muß ich mich wohl noch mal kümmern, sonst verwaisen sie noch irgendwann.

Kommentare:

beate Knappe hat gesagt…

Deine Gütermannvitrine ist ja wirklich ein absoluter Schatz -quasi ein Diamant, also mindestens ein Schmuckstück, toll, das du da auf dem Flohmarkt gefunden hast

beate Knappe hat gesagt…

Deine Gütermannvitrine ist ja wirklich ein absoluter Schatz -quasi ein Diamant, also mindestens ein Schmuckstück, toll, das du da auf dem Flohmarkt gefunden hast

sue b hat gesagt…

That thread cabinet is a treasure, lucky you to have that! I love to visit your blog.

MagiHabbi hat gesagt…

Huhu Peggy,

tolle Vitrine hast Du da... :-)

Für meine Stöffchen habe ich eine (meiner Meinung nach) ideale Lösung gefunden: einen alten 2-türigen Kleiderschrank... eine Seite mit Einlegeböden... auf die passen genau 2 Haribo-Kisten voll Stoff nebeneinander.
Die anderes Seite mit der Kleiderstange ist ideal, um Quilts aufzuhängen... :-)
Liebe Grüsse
Margit